Seishinkai Aikidō (Korindō)

Seishinkai Aikidō (成新会合氣道)

Hirai Minoru und der Kōrinkai

Hirai Minoru

Die Geschichte des Seishinkai Aikidō  beginnt mit Hirai Minoru (1903-1998). In seiner Heimat, der Präfektur Okayama beginnt er 1914 die Schwertkunst im Stil der Tōgun-ryū und 1918 die der Okumura Nitō-ryū zu trainieren. Zudem studiert er später auch noch andere Stile des Budō, wie z.B. das Jūjutsu der Take-no-uchi-ryū und der Kito-ryū, sowie den Lanzenkampf (Sōjutsu) im Stil der Saburi-ryū.

Hirais Kampfkunst entwickelt sich im Lauf der Zeit zu einem, wie er es nennt „Matrix-Budō“ welches nicht auf einer Vielzahl unterschiedlicher Techniken basiert, sondern auf einem einzigen Prinzip aufbaut: Der harmonisch-runden Kreis- und Kugelrotation (koshi-mawari). Als Basis, und um sich dieses natürliche Bewegungsprinzip anzueignen, dienen eine Reihe von Bewegungsformen (taisabaki), die kontinuierlich, vom Anfänger bis zur Meisterstufe geübt werden. Aus diesen einzelnen Bewegungsformen heraus entwickelt man mit der Zeit einen natürlichen, rotierend-fließenden (ruten)  Bewegungsmodus. Aus diesem heraus entstehen absichtslos und an die sich beständig ändernde Situation angepasst Techniken, mit denen der Angreifer mühelos kontrolliert und geworfen werden kann, weil man der angreifenden Kraft keinerlei Widerstand entgegen stellt. Um sich den beschriebenen Bewegungsmodus anzueignen, werden im Training folgende Übungsformen praktiziert::

  • 8 Bewegungsformen (taisabaki), die zunächst einzeln, dann in Kombination, schließlich mit Partner trainiert werden;
  • Partnerformen mit Stock, Schwert und Kurzschwert, um die richtige Körperhaltung und den Ansatz jeder Bewegung zu vertiefen;
  • Randori, das heißt freier Angriff und freie Bewegungen, um das dem Seishinkai-Aikidō zugrundeliegende Bewegungsprinzip (koshi-mawari) spontan und vor allem auch fortlaufend (ruten, enten-mukyū) zu verwirklichen.
Hirai Minoru

1938 gründete Hirai in Okayama das Kōgadō-Dōjō (恒河洞). 1939 trafen sich Hirai und Ueshiba Morihei (1883-1969), der Gründer des Aikikai, zufällig im Haus eines Anhängers der Neu-Religion Ōmoto-kyō, in welches Hirai geschäftlich eingeladen gewesen war. Dieser Austausch und noch ein 2. Treffen führten dazu, dass Ueshiba Hirai nach Tōkyō einlud, um in Ueshibas Dojō „Kōbukan“ tätig zu sein.

1942 verließ Hirai das Kōbukan und folgte dem Ruf an die Butokukai, einer staatlichen Dachorganisation, die bereits 1895 gegründet worden war, um die japanischen Kampfkünste zu verbreiten und zu fördern.

Hirai leitete dort die neu gegründete Abteilung für Aikidō. Der Name „Aikidō“  entstand ursprünglich am Butokukai nach längerer Diskussion um die Frage, wie man eine Abteilung nennen sollte, die eine Dachfuktion für alle „weichen“ Budō Stile (Jūjutsu und Stile mit Waffen) ausüben sollte. Um nicht vom Namen her mit anderen Abteilungen in Konflikt zu geraten, einigte man sich, dem Vorschlag von Hisatomi Tatsuō (Kōdōkan) zu folgen, und die Abteilung „Aikidō“ zu nennen. Später benannte auch Ueshiba, seinen Stil ebenfalls in „Aikidō“ um, nachdem er zuvor eine Reihe unterschiedlicher Namen (z.B. Aiki-Budō) benutzt hatte.

Hirai erhielt vom Butokukai den Meister-Rang eines hanshi und bis zum Ende des 2. Weltkrieges war er dort tätig. Unter anderem unterrichtete Hirai die Militärpolizei und brachte in diesem Zusammenhang auch ein Buch über waffenlose Kampftechnik heraus. (Titel: Rikugun Kenpei Gakkō Taijutsu Kyōhan). Hier beschrieb Hirai auch erstmalig seine taisabaki als Übungsform.

Zusammen mit einer Reihe anderer Meister entwickelte Hirai 1-2 Jahre nach Ende des Krieges ein Curriculum an „Verhaftungstechniken“ (taihōjutsu) für die japanische Polizei.
Nachdem Hirai 1945 ein Dōjō in der Präfektur Shizuoka gegründet und ihm den Namen „Kōrindō“ (光輪洞) gegeben hatte, nannte er 1947 das Kōgadō-Dōjō in Okayama ebenfalls in Kōrindō-Dōjō um und gründete in Tōkyō 1953 ein weiteres Kōrindō-Dōjō. Diese 3 Dōjō waren der Ursprung der bis heute existierenden Kōrinkai Organisation.

Narita Shinjūrō und der Seishinkai

Narita Shinjūrō (* 9. März 1929) trat 1959 in das Kōrindō Dōjō Tōkyō ein und begann unter Meister Hirai Kōrindō-Aikidō zu trainieren.

Narita Shinjūrō

1978 wurde Narita zum Shihan ernannt und erhielt den 8. Dan.

1991 hielt Narita auf einer Reise nach Deutschland einen Lehrgang in München ab. Fasziniert und beeindruckt von seinem Können und seiner Persönlichkeit hatte man sich von  Seiten des Aikidō Kreis Ohayo bemüht, diesen Meister nochmals nach München einzuladen. Er nahm an und dies war der Ausgangspunkt für eine bis dato währende innige, persönliche Freundschaft und der Beginn eines regelmäßigen Austausches zwischen den Trainingsgemeinschaften in Japan und Deutschland.
1997 wurde Narita der 9. Dan verliehen.

Nach dem Tod Hirais (am 16. Okt. 1998) gründete Narita am 1. Aug. 2000 eine eigene Trainingsgemeinschaft namens Kōrinkai Aikidō Ichigen Juku.
Am 7. Juli 2003 wurde Narita zum obersten Shihan (Sō-shihan) des Kōrinkai ernannt.

Am 4. Nov. 2006 im Alter von 77 Jahren zog sich Narita aus dem Dienst im Kōrinkai zurück, um im kleinen Kreis seiner Gruppe, die er in Aikidō Ichigen Juku  umbenannt hatte, sich weiterhin und ausschließlich dem Weg seines Meisters zu widmen.

Zahlreiche Veröffentlichungen über seine Person und seine besondere Form des Aikidō z.B. in der Budō-Fachzeitschrift „Hiden“ des BAB Verlages, sowie die Herausgabe einer DVD und eines Buches im selben Verlag, ließ jedoch die Zahl seiner Schüler in der Folgezeit rasch ansteigen.

Der Notwendigkeit entsprechend, seine bis dahin informelle Trainingsgemeinschaft auf organisatorische Füße zu stellen, gründete Meister Narita am 31. Juli 2010 die Seishinkai Aikidō Organisation, die sich der Verbreitung des authentischen Aikidō von Ō-Sensei Hirai Minoru verschrieben hat.
Der Aikido Kreis Ohayo München e.V. ist heute das einzige Dōjō des Seishinkai außerhalb Japans und besitzt seit dem 1. März 2011 die offizielle Anerkennung als Dōjō durch Meister Narita.

München, 2012
Aikido Kreis Ohayo e.V.

Hirai Minoru and Kōrinkai

Hirai Minoru

The history of Seishinkai Aikidō began with Hirai Minoru (1903-1998). In 1914, he began studying the tōgun-ryū sword style in his home prefecture of Okayama. In 1918, he began learning the okumura nitō-ryū style as well. He later studied other budō arts such as jūjutsu, take-no-uchi-ryū and kito-ryū as well as the saburi-ryū spear (sōjutsu) style .

Over time, Hirai developed his own martial art, which he called „matrix budō“ – a style not based on many different techniques but rather on a single principle: harmonious, circular, spherical rotation (koshi-mawari). The foundation of „matrix budō“ is a series of (taisabaki) forms that are practiced by all students at all levels. Gradually, the taisabaki help the student acquire natural, rotating and flowing (ruten) motion. This leads to non-intentional techniques that constantly adapt to rapidly changing situations and allow an attacker to be easily controlled and thrown because the attacking force is met with no resistance whatsoever. To learn this art of movement, the following training forms are practiced:

  • Eight forms (taisabaki) that are first practiced one by one, then combined and finally, practiced with a partner;
  • Partner forms with jo, boken and kodachi (short sword) that deepen the student’s knowledge of the correct body posture and mode of every movement;
  • Randori, i.e. free-style attack and counter between one defender and one or more attacker(s) with the aim of spontaneously and above all, continuously (ruten, enten-mukyū) realizing the fundamental Seishinkai-Aikidō principle of koshi-mawari.
Hirai Minoru

In 1938, Hirai founded the Kōgadō-Dōjō (恒河洞) in Okayama. In 1939, he was invited to the house of a follower of the new religion „Ōmoto-kyō“ on a business matter. Here, Hirai coincidentally encountered Ueshiba Morihei (1883-1969), the founder of Aikikai. After a second meeting, Ueshiba invited Hirai to join his „Kōbukan“ dojō in Tōkyō.

In 1942, Hirai left Kōbukan for a position at Butokukai, a government umbrella organization that had been founded in 1895 to popularize and promote Japanese martial arts.

Hirai was appointed to lead the newly founded aikidō division. The name „aikidō“ had been originally created at Butokukai after long discussion about what to call a division that would act as an umbrella for all „soft“ budō styles, (jūjutsu and weapons techniques). So as not to conflict with the names of other divisions, the suggestion by Hisatomi Tatsuō, (Kōdōkan) was adopted and the division was named „aikidō“. Later, Ueshiba also renamed his style „aikidō“, after first having tried out a number of different names (incl. aiki-budō).

Hirai received the hanshi master rank from Butokukai and worked there until the end of World War II. His duties included teaching the military police; in this context he published a book about unarmed combat techniques (Rikugun Kenpei Gakkō Taijutsu Kyōhan). Hirai first described his taisabaki forms in this book.

Shortly after the war, Hirai and a number of other teachers developed a curriculum of „arrest techniques“ (taihōjutsu) for the Japanese police.

After founding a dōjō in the Shizuoka prefecture in 1945 and naming it „Kōrindō“ (光輪洞), Hirai also renamed the Kōgadō dōjō in Okayama Kōrindō dōjō and founded a third Kōrindō dōjō in Tōkyō in 1953. These three dōjōs were the origin of the Kōrinkai organization that exists to this day.

Narita Shinjūrō and Seishinkai

In 1959, Narita Shinjūrō (* March 9, 1929) joined the Kōrindō Dōjō Tōkyō and began to learn kōrindō-aikidō under Master Hirai.

Narita Shinjūrō

In 1978, he was designated shihan and received the 8th dan.

On a trip to Germany in 1991, Narita held a course in Munich. Fascinated and impressed by his ability and personality, the Aikidō Kreis Ohayo invited him to return to Munich. His acceptance was the starting point of a lasting and deep personal friendship as well as of regular exchanges between the training groups in Japan and Germany.

Narita was awarded the 9th dan in 1997.

After Hirai’s death (October 16, 1998), Narita founded his own group on August 1, 2000 and called it Kōrinkai Aikidō Ichigen Juku.

On July 7, 2003 he was appointed the highest shihan (sō-shihan) in Kōrinkai.

On November 4, 2006, at age 77, Narita withdrew from Kōrinkai to devote himself exclusively to his master’s teachings with a small group of students. He renamed this group Aikidō Ichigen Juku.

Numerous publications about him and his special form of aikidō, e.g. in the budō journal „Hiden“ (published by BAB) and in a DVD and book by the same publisher led to increasing numbers of students who wished to learn from him.

This required Narita to organize his previously informal training group. On July 31, 2010, Master Narita founded the Seishinkai Aikidō organization, which dedicates itself to spreading the authentic aikidō from Ō-Sensei Hirai Minoru.

Today, the Aikido Kreis Ohayo Munich is the only Seishinkai dōjō outside of Japan. On March 1, 2011, it received official recognition as a dōjō from Master Narita.

Munich, 2012

Aikido Kreis Ohayo

Mitglied des Aikikai Deutschland Fachverband für Aikido e.V.