Über Aikido

488px-Morihei-Ueshiba1911 trifft Morihei Ueshiba einen bedeutenden Meister namens Sokaku Takeda, der in nicht-öffentlichen Schulen die Kunst des Aiki-Jutsu lehrt. Ueshiba hat zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre verschiedene Budo-Techniken studiert und entschließt sich nun, sich ganz auf seinen neuen Lehrer zu konzentrieren. Über fünf Jahre unterzieht er sich einem sehr harten Training. Dabei lernt er Aiki-Jutsu als eine Technik kennen, bei der der gesamte Körper als Waffe eingesetzt wird. Viele Elemente, die sich aus der Schwertkunst ableiten, verbinden sich mit sehr effektiven Methoden der Gleichgewichtsbrechung des Gegners sowie mit Schlag- und Stoßtechniken - der Gegner wird schon vor seiner eigentlichen Angriffsaktion kontrolliert, seine Kraft in Hebel- und Wurftechniken neutralisiert.

Die verstärkte Auseinandersetzung mit religiösen und philosophischen Themen läßt Ueshiba sein körperliches Training durch Meditationsübungen erweitern - das Ziel der wirksamen Vernichtung des Gegners tritt immer mehr in den Hintergrund, bis der Begriff 'Gegner' überhaupt verschwindet: die Idee des freien, erfühlbaren Energieflusses zwischen Übungspartnern steht nun im Vordergrund - die Geburt des Aikido: der Weg (Do) der Harmonie (Ai) mit der geistigen Kraft (Ki).

Aikido versteht sich nicht als Selbstverteidigungsmethode, noch weniger als Kampfsport - Aikido ist Kampfkunst und eine Form dynamischer Meditation, die Fähigkeit zur Selbstverteidigung bleibt Nebeneffekt. Aikido kann nur mit einem Partner erlernt, geübt werden. Das heißt konkret: beim Üben tut man so, als ob Angreifer (Uke) und Verteidiger (Nage) existieren, also zwei antagonistische Kräfte, die aufeinandertreffen. Das Ziel ist die Erfahrung, daß sich beide Energien gegenseitig ergänzen - das Ziel ist das Zusammenführen beider, die Überwindung dieser Dualität in runden geschmeidigen Bewegungen.

Morihei_Ueshiba_GardenEntsprechend ist eine Trainingsstunde methodisch aufgebaut: man beginnt im Sitzen mit einer kurzen innerlichen Entspannung, die Alltagswelt soll abgeschaltet, Geist und Körper für die Übungen geöffnet werden. Um Kreislauf, Muskeln und Sehnen gut vorzubereiten, folgen in langsamer Steigerung Atem-, Aufwärm- und Dehnungsübungen: Ein- und Ausatmung sollen in Einklang mit den körperlichen Bewegungen gebracht werden. Anschließend die eigentlichen Aikidoübungen wie Fallschule, Hebel-, Wurf- und Haltetechniken, usw; sie sind so aufeinander abgestimmt, daß jede Stunde mehrere Höhepunkte hat, das heißt Abwechslung von schnellen und langsamen Techniken, um Atem und Kreislauf in den entsprechenden Phasen an unterschiedliche Belastung heranzuführen und damit ihre Möglichkeiten zu erweitern. Bisweilen werden in kurzen Pausen zur besseren Lockerung die Schulter- und Rückenmuskulatur gegenseitig massiert.

Beim Zuschauen vermittelt Aikido oft das Gefühl der Leichtigkeit und Eleganz, die Ansätze von Würfen und Hebeln sind übergangslos, die Bewegungen fließend. Beim Mitmachen stellt sich dann häufig große Enttäuschung ein, wenn man sich selbst als verkrampft und 'eckig' erlebt. Gerade diese Erfahrung bedeutet den entscheidenden Ausgangspunkt für das weitere Lernen: das Problem, das 'Eckige' abzurunden, die Erfahrung der Harmonie, wenn Atem und Bewegung eins werden, die Möglichkeiten des Energieflusses im eigenen Körper, wenn Blockaden in Schulter, Rücken, Zwerchfell und Becken verschwinden. Aikido wirkt so über das Training hinaus in den Alltag, wirkt sich besonders aus im Sinne einer vertieften Entspannungsfähigkeit des Gesamtorganismus und verbesserten Ökonomie jeglicher Art von Bewegung.

Aikido - und das ist wörtlich gemeint - muß man erleben.

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Letzte Aktualisierung: 27.05.2010
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